| |
| Aus tiefer Liebe zum Detail – und zur Optik |
| |
Meine „Erste“ war 1982 eine gebrauchte Rollei SL 35. Eine Kamera die mir bis Heute in Erinnerung ist. Wegen ihrer schlichten Eleganz und wegen ihres Objektivs: einem Carl Zeiss Distagon 2,8/35mm. Dieses Objektiv hat mich vermutlich für mein Leben geprägt. Die Präzision der Scharfeinstellung und das Einrasten der Blenden ist mir noch vertraut in den Fingerspitzen.
So war ich besonders neugierig, als ich nach vielen verschiedenen Kamera-Systemen, letztes Jahr wieder drei Carl Zeiss Objektive in Händen hielt: das Distagon T* 2,8/25mm, das Distagon T* 2/35mm und das Planar T* 1,4/50mm. Die passende Kamera dazu eine Nikon D3. Sie hat zwar nicht die Eleganz meiner alten Rollei. Aber sie hat ihren ganz eigenen Charme. Und mit den Zeiss Optiken liegt sie deutlich besser in der Hand als mit anderen.
Natürlich probierte ich zuerst das 35er. Die neue Öffnung von Blende 2,0 war für mich im wahrsten Sinne eine Offenbarung. Denn ich liebe das Arbeiten mit vorhandenem Licht. Viele meiner Reportagen oder Berichte entstehen abends und in der Nacht. Gegenüber meinem „alten“ 35er, das leider nur noch in meiner Erinnerung existiert, fällt sofort die noch weit gesteigerte Liebe zum Detail auf. Haptik und Präzision sind einzigartig. Schnell vergessen die ultraschall-betriebenen Kunststoff-Gehäuse. Das hier ist Handwerkszeug.
Und so fotografiert es sich auch. Man wird automatisch wieder zum Lichtbildner. Perspektiven finden sich treffsicherer, Motive erhalten mehr Spannung. Erklären kann man das nicht wirklich. Aber man hat das Bild deutlich wieder „im Griff“. Es gibt keinen Autofokus. Langsamer ist man aber nicht. Man „hält nicht mehr drauf“, sondern sieht das Motiv voraus. Man zielt die Schärfe dorthin wo man sie haben will – muss nicht erst den Vorschlag des Autofokus abwägen. Das Bild stimmt. Ich brauche deutlich weniger Speicherkarten bei deutlich besserer Auswahl, seit meiner Wiederentdeckung.
Die Ergebnisse fallen selbst Menschen sofort auf, die eigentlich nichts mit Fotografie zu tun haben. Mein erster Auftrag mit den neuen Objektiven galt Privat-Portraits eines Berliner Kaufmanns. Als seine Frau die Fotos sah, sagte sie nur: „Was eine Tiefe und Plastizität.“ Sie brachte auf den Punkt was für alle diese drei Optiken gilt: man hat das Gefühl mit einer anderen Kamera zu fotografieren. Die Tiefe der Bilder ist einmalig. Der Übergang von Schärfe zu Unschärfe ist präzise aber nicht zu hart. Das Bokeh erzeugt eine regelrechte Bildspannung. Die Unschärfen geben dem Motiv einen sehr schön lebhaften Charakter.
Alle Optiken kann man hervorragend bei Offenblende verwenden. Das 25er zeigt dabei eine bildgestalterisch einzigartige hauchfeine Vignettierung. Vergleichen Sie das mit einer leichten Brombeer- oder Barrique-Note in einem erstklassigen Rotwein. Wäre sie nicht da, würde etwas fehlen. Wer das partout nicht mag, blendet einfach eine Stufe ab.
Das 35er ist auch heute wieder „mein“ Objektiv – obwohl es mit dem hervorragenden 50er in seiner Gunst zu kämpfen hat. Ich gehe am liebsten mit nur einem vom beiden auf der Kamera los und erarbeite mir die Motive nach den jeweils vorhandenen Möglichkeiten. Auf diese Weise entstehen in der Life-Fotografie die spannendsten Bildszenen. Auch mag ich das 50er als Portraitbrennweite. Denn es zeigt immer noch ein Teil der Geschichte der Menschen auf. „The Story behind“, erscheint mit auf dem Bild. Über die Charakteristik der Unschärfe kann ich diese Story über die Blende sehr gut inszenieren.
(Die hier gezeigten Motive entstammen den Serien „Szenen einer Nacht“ und „Nicht weit weg“.)
|
| | Über Max Thinius
Max Thinius lebt und arbeitet in Berlin. Das Handwerk der Fotografie hat er 1986 in Düsseldorf bei den Henrichs/Pflanz Studios erlernt. Später vertiefte er sein Wissen durch die Arbeit für verschiedene Magazine in London. Heute arbeitet er vorwiegend in Reportagen. Aber auch Privatpersonen lassen sich gerne von ihm portraitieren. |
nach oben |
 |
 |
| |
| |
| |

März 2009 |
|