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Portraits bewusst gestalten
Die Portraitfotografie ist für jeden Fotografen eine ganz besondere Herausforderung. Um ansprechende Portraits zu gestalten und seine eigene Kreativität mit einzubringen, müssen Sie ein Gefühl für die Wirkungszusammenhänge bei der Bildgestaltung entwickeln. Wichtig ist vor allem eins – die Konzentration auf die bildwichtigen Elemente oder Akzente die Sie setzten möchte. Das bewusste Fotografieren steht dabei deutlich im Vordergrund.

Portrait 1
Planar T* 1,4/85 ZK an digitaler SLR-Kamera, Blende 2,8 1/125s

Der Bildausschnitt
Das klassische Portrait erlaubt verschiedene Darstellungsformen. Bei der Frontalansicht ist das Gesicht direkt auf den Betrachter gerichtet, während das Dreiviertelprofil leicht gedreht ist, wobei die abgewandte Seite etwas verkürzt wirkt und oft im Schatten liegt. Beim Halbprofil wird das Gesicht von der Seite so dargestellt, dass das zweite Auge noch zu erkennen ist. Aber auch hier können Sie mit ungewöhnlichen Sichtweisen und Anschnitten experimentieren.

Regie führen
Es geht bei einem Portrait vor allem darum, die Charakteristik, Gestik und Mimik eines Menschen so natürlich wie möglich darzustellen. Um das zu erreichen, wird meist der intensive Kontakt mit dem „Modell“ gesucht. Sie müssen regelrecht Regie führen, mit dem Modell sprechen oder lachen und im richtigen Moment auf den Auslöser der Kamera drücken. Dabei spielt der Objektabstand eine wichtige Rolle. Bei einem Abstand von etwa drei Metern fühlt sich das Modell nicht eingeschränkt oder beobachtet und verhält sich daher deutlich natürlicher.

Bildaufteilung
Die Position des Modells im Bild entscheidet über die Gesamtwirkung. Eine zentrale, mittige Anordnung wirkt sehr statisch, ruhig und monoton. Ein Gesicht wirkt unter Umständen relativ langweilig, wenn es nicht selbst schon durch eine starke Ausdruckskraft überzeugt. Hier hilft eine harmonische Platzierung des Motivs nach dem „goldenen Schnitt“. Das Hauptobjekt rückt aus der Bildmitte heraus und wird etwas seitlich positioniert. Die Anordnung des Modells außerhalb der Bildmitte und der Anschnitt erzeugen zusätzliche Spannung. Im Ergebnis erscheint das Bild deutlich aufgeräumter und sehr harmonisch. Viele SLR-Kameras können mit passenden Mattscheiben nachgerüstet werden oder blenden Gitterlinien in den Sucher ein, die Ihnen die Bildaufteilung erleichtern.

Linienführung
Gedachte Linien stellen in der Fotografie eine Gestaltungskraft dar und geben Richtungsverläufe an. Sie eignen sich vorzüglich, um Bildschwerpunkte miteinander zu verbinden und ergeben damit ein wesentliches Bildelement. In dem dargestellten Beispiel übernimmt die angeschnittene Hand der Schneiderin die Rolle des verbindenden Elements, wodurch das Motiv an Dynamik gewinnt.

Portrait 2
Planar T* 1,4/85 ZF an digitaler SLR-Kamera bei Blende 2,8 und 1/180s

Das richtige Licht
Vorzugsweise kommt bei „on location“ - Aufnahmen diffuses Tageslicht zum Einsatz. Das hat den großen Vorteil Details weich zu zeichnen und Unreinheiten der Haut weniger in Erscheinung treten zu lassen. Um eine plastische Ausleuchtung zu bekommen, hilft nur der gezielte Einsatz von Kunstlicht, meist Blitzanlagen. Glanz in den Augen seines Modells erzielt schon ein schwacher Aufhellblitz, der auch im Freien sehr sinnvoll ist. Mit Hilfe von Aufhellern (Gold-/Silberfolien) lässt sich vorhandenes Licht sehr schön führen und umlenken. Man kann dem Gesicht den nötigen Glanz „einhauchen“ und mit Licht modelieren.

Portrait 3
Planar T* 1,4/85 ZK an digitaler SLR-Kamera bei Blende 2,8 und 1/60s

Der Hintergrund
Ein ruhiger und homogener Motivhintergrund ist für ein gelungenes Portrait sehr wichtig, da er den Betrachter nicht durch zu viele Details vom Hauptmotiv ablenkt. Auch sollte der Abstand vom Modell groß genug sein, um mit der „Unschärfe“ zu spielen und den Hintergrund wirkungsvoll zu isolieren.

Das Equipment
Objektive mit leichter Telewirkung bieten die besten Voraussetzungen für gelungene Ergebnisse. Das Gesicht des Modells wirkt viel natürlicher, die Proportionen stimmen. Zudem liefern Teleobjektive eine geringere Schärfentiefe, um den Hintergrund wirkungsvoll zu isolieren. Dieser Effekt wird durch eine hohe Lichtstärke noch verstärkt. Für Portraits besonders gut geeignet sind Objektive mit manueller Scharfeinstellung, die im Gegensatz zu Autofokus-Objektiven minimale Korrekturen punktgenau zulassen. SLR-Objektive von Carl Zeiss, speziell das Planar T* 1,4/85, erfüllen diese Anforderungen perfekt. Die fast kreisrunden Blendenöffnungen sorgen darüber hinaus für eine harmonische Abbildung unscharfer Details im Motivhintergrund.

Portrait 4
Planar T* 1,4/85 ZF an digitaler SLR-Kamera bei Blende 1,4 und 1/500s
Camera Lens News 28
Mai 2008

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