Mikroskopie & Imaging
20. Jahrhundert - 1. Hälfte
Niemals halbe Sachen Zukunft von Anfang an

Wie alles begann
Weg des Mikroskops
Mikroskopie: Formel 1
Durchschlagend
Das Glas
Das Licht
Carl Zeiß stirbt
1896
Jahrhundertwende
Geschichte: Stationen
Eine Zeitreise
Nobel, nobel
Die 19 vor der Jahreszahl. Das Unternehmen Carl Zeiss, inzwischen muß man Unternehmen sagen, wächst rasant. 1900 hat es sage und schreibe 1070 Mitarbeiter, und es werden ständig mehr. Hatte sich Zeiss in den ersten 50 Jahren ausschließlich auf Mikroskope konzentriert, kommen nun mehr und mehr andere Bereiche dazu.
Aber: Zeiss-Geschichte ist vorrangig Mikroskop-Geschichte, und dabei soll es in dieser geburtstäglichen Hommage an Carl Zeiss auch bleiben. Zumal es an aufsehenerregenden Entwicklungen, Erfindungen, Innovationen in diesen ersten Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts weiß der Himmel nicht fehlt. Allein der Versuch, sie alle aufzulisten, wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt. Aber zumindest die wichtigsten verdienen allemal ihre gebührende Nennung im historischen Streifzug. Doch zuvor, für das Werk und dessen Mitarbeiter von größerer Bedeutung als jede Neuerung, das traurige Ereignis dieser Jahre: Am 14. Januar 1905 stirbt der Mann, der gemeinsam mit Carl Zeiß die Geschichte der Mikroskopie so entscheidend mitgeprägt und mitgeschrieben hat - Ernst Abbe.
Schon 1903 zieht er sich, gesundheitlich stark beeinträchtigt, aus der Geschäftsleitung zurück, erlebt noch, wie in diesem Jahr die Grenzen klassischer Mikroskopie endgültig überschritten werden:
In Jena entsteht das Ultra-Mikroskop nach Prof. Henry Siedentopf und Dr. Richard Zsigmondy, das submikroskopische Kolloide sichtbar macht.
1904 veröffentlicht Prof. August Köhler seine Arbeiten über das Ultraviolett-Mikroskop, und 1913 wird das Lumineszenzmikroskop kreiert.
Ultraviolett-Mikroskop - Ultraviolet microscope
1904: Ultraviolett-Mikroskop
In diesen drei Errungenschaften spiegeln sich drei heute noch aktuelle Ziele der Mikroskopie: Zu immer kleineren Dimensionen vorzudringen, lebende Objekte ohne Schädigung zu beobachten und deren Substanzen zu kontrastieren. Erfindungsgeist. Schon damals unbegrenzt.
1911 verwirklicht man bei Zeiss - auf Köhlers Vorschlag - den Objektivabgleich am Mikroskop, wodurch die Schärfeeinstellung beim Objektivwechsel erhalten bleibt. 1920 das Vergleichsokular zur Beobachtung zweier verschiedener, in zwei Mikroskopen eingestellter Präparate.
1924 - erstmals serienmäßig auf der Welt - gibt es die Objektive mit unendlicher Tubuslänge am Großen Metallmikroskop nach Le Chatelier.
Strahlengang des Mikroskops - Path of rays in a microscope
1924: Strahlengang des Mikroskops
Ein Sprung nach 1931 - Entwicklung des ersten Elektronenmikroskops (nach Max Knoll und Ernst Ruska). Und 1933 revolutioniert Zeiss den Mikroskopbau wieder einmal und führt das L-Stativ ein - eine legendäre Stativkonstruktion mit geschwungenem Tubusträger und Schrägeinblick, mit immer horizontalem Mikroskoptisch und tiefliegenden Bedienungselementen. Die Arbeitswelt ist so erleichtert wie begeistert.
Es folgen die Photomikroskope Neophot (1934) und Ultraphot (1937).
Neophot
1934: Großes Epi-Mikroskop mit Kamera NEOPHOT
Ein Jahr später, 1938, kann Zeiss erneut mit einem absoluten Novum aufwarten: Nach langwierigen Versuchen gelingt Hans Boegehold die Bildfeldebnung, und Zeiss bietet die ersten Planachromat-Objektive an. Auf Anregung von Professor Frits Zernike schafft Zeiss 1936 den Prototyp des Phasenkontrastmikroskops.
Phasenkontrastmikroskop - phase microscope
1936: L-Stativ, Prototyp Phasenkontrastmikroskop
In den Kriegsjahren läuft die Mikroskopentwicklung nach behördlicher Anordnung auf Sparflamme. Dennoch, 1943, die Einrichtung für Mikrokinematographie ist fertiggestellt, entsteht im Mikrolaboratorium von Zeiss der erste Zellteilungs-Film mit einem Phasenkontrastmikroskop - eine Untersuchungsmethode, mit der die Zellforschung in ein neues Stadium tritt.
lebender Zellkern - living cell nucleus
1941: Erstes Foto eines lebenden Zellkerns
Fast ein halbes Jahrhundert Zeiss im Schnelldurchgang. Eine große Zeit, mit dem schmerzlichen Verlust durch Abbes Tod, mit gewaltigen Entwicklungen, mit unternehmerischem Erfolg, mit Rückschlägen.
Und jetzt konfrontiert mit den einschneidenden Konsequenzen des Krieges.