Fall

Behandlungsergebnisse mit Spiraloptik-IOL

im Vergleich zu diffraktiver Trifokal-IOL
1. August 2026 · 7 Min. Lesedauer
Portrait James Myerscough, MD
AUTOR James Myerscough, MD Facharzt für Augenheilkunde im Vereinigten Königreich, spezialisiert auf lamelläre Keratoplastik und refraktive Chirurgie.

Wann eine SV-IOL-Implantation (Simultaneous Vision IOL; dt.: IOL mit simultaner Bildwahrnehmung) im Rahmen eines Katarakt- oder Presbyopie-Linsenaustauschs (PreLEX) infrage kommt, ist gut dokumentiert. Da jedoch immer mehr SV-IOLs auf den Markt kommen, ist nicht immer ganz klar, welche Linse für welche Patienten geeignet ist. Außerdem muss man wissen, wie sich neue Technologien im Vergleich zur bewährten Optik verhalten. Insbesondere gibt es immer mehr EDoF-IOLs (Intraokularlinsen mit erweiterter Tiefenschärfe) zur Modulation der sphärischen Aberration (SA). In jüngster Zeit ist zudem die Spiraloptik als neue Kategorie von SV-IOLs im Aufwind. Welche Art von EDoF-Intraokularlinse verwendet werden soll, entscheidet meist das Gefühl. Die Messung der SA ist relativ unkompliziert. Anhand dieses Wertes lässt sich leicht entscheiden, ob (und in welchem Umfang) ihre Modulation zu bevorzugen ist und welche Linse den passenden SA-Grad aufweist. Die Spiraloptik ist den meisten Augenärzten dagegen noch eher unbekannt. Daher ist die Patientenauswahl hier nicht ganz so einfach wie bei anderen Linsen.

Die RayOne Galaxy IOL (Rayner) ist eine refraktive Intraokularlinse mit Spiraloptik und progressivem Stärkenverlauf. Dies soll die Tiefenschärfe erweitern und zugleich dysphotopischen Erscheinungen vorbeugen. Ich habe die Galaxy IOL bei den ersten 80 Einsätzen untersucht. Darunter waren sowohl Katarakt- als auch PreLEX-Patienten. Anschließend wurde die Untergruppe mit Galaxy PreLEX mit PreLEX-Patienten verglichen, die AT LISA® tri 839MP von Carl Zeiss Meditec AG erhalten hatten.

Grafik A zeigt den Einfluss der zylindrischen Refraktion (Zyl) auf die unkorrigierte Sehschärfe, während Grafik B den Wert für die korrigierte Sehschärfe angibt.
Grafik A zeigt den Einfluss der zylindrischen Refraktion (Zyl) auf die unkorrigierte Sehschärfe, während Grafik B den Wert für die korrigierte Sehschärfe angibt.

Abbildung 1: Bedeutung des Restastigmatismus für UDVA (A) und CDVA (B)

Abbildung 1: Bedeutung des Restastigmatismus für UDVA (A) und CDVA (B)

Ergebnisse aus der Praxis

Die Galaxy IOLs wurden implantiert, um Normalsichtigkeit zu erreichen. Drei Monate nach der Operation zeigte sich, dass das refraktive sphärische Äquivalent (SÄ) bei 96 % der Augen ±0,5 dpt vom Zielwert entfernt lag. Allerdings wurde nur bei 16 % der Augen eine unkorrigierte Fernvisusschärfe (UDVA) von ≥ 20/20 erreicht. Es zeigte sich eine Tendenz zur residualen Myopie, die sich auf eine nicht vollständig optimierte A-Konstante zurückführen lässt, da die Linse auf dem britischen Markt noch nicht flächendeckend erhältlich war. Inzwischen wurde die A-Konstante unter Berücksichtigung dieser anfänglichen myopen Befunde angepasst. Beim Vergleich der UDVA- und CDVA-Daten fällt auf, dass die suboptimalen UDVA-Ergebnisse nicht allein durch den residualen Refraktionsfehler erklärt werden können.

Mit Blick auf die Auswirkungen des Restastigmatismus wirkt sich Astigmatismus wie erwartet negativ auf die UDVA aus (Abbildung 1A). Doch selbst wenn dieser Astigmatismus korrigiert wird (Abbildung 1B), bleibt der CDVA-Wert suboptimal. Dies deutet darauf hin, dass der bei dieser Linse verbleibende Astigmatismus möglicherweise keine reine Aberration niedrigerer Ordnung ist.

Balkendiagramme zu den kumulativen Visusergebnissen mit der spiralförmigen EDoF Galaxy IOL von Rayner und der trifokalen AT LISA tri IOL von Carl Zeiss Meditec AG nach drei Monaten. Die drei Balkendiagramme beinhalten jeweils Wirksamkeit und Sicherheit der IOLs.
Balkendiagramme zu den kumulativen Visusergebnissen mit der spiralförmigen EDoF Galaxy IOL von Rayner und der trifokalen AT LISA tri IOL von Carl Zeiss Meditec AG nach drei Monaten. Die drei Balkendiagramme beinhalten jeweils Wirksamkeit und Sicherheit der IOLs.

Abbildung 2: Standarddiagramme zu den Visusergebnissen drei Monate nach der PreLEX mit Galaxy IOL (oben) und AT LISA tri (unten). Grafik (A) und (B): Wirksamkeit im Vergleich zur präoperativen CDVA bei 24 Augen (Galaxy) bzw. 28 Augen (AT LISA tri). Grafik (C): Sicherheit (prozentualer Anteil der Augen mit einer Verschlechterung der Sehschärfe um mindestens zwei Stufen).

Abbildung 2: Standarddiagramme zu den Visusergebnissen drei Monate nach der PreLEX mit Galaxy IOL (oben) und AT LISA tri (unten). Grafik (A) und (B): Wirksamkeit im Vergleich zur präoperativen CDVA bei 24 Augen (Galaxy) bzw. 28 Augen (AT LISA tri). Grafik (C): Sicherheit (prozentualer Anteil der Augen mit einer Verschlechterung der Sehschärfe um mindestens zwei Stufen).

Der Vergleich von PreLEX- und Kataraktpatienten ist das beste Maß für die Leistungsfähigkeit der SV-IOL, da die präoperative CDVA hier vergleichsweise besser ist. Um den Behandlungserfolg besser beurteilen zu können, wurde deshalb die PreLEX-Untergruppe, in der einige Unzufriedenheit mit ihrem Sehvermögen geäußert hatten, eingehender untersucht. Bei der Auswertung der Daten dieser Untergruppe mit 24 Augen zeigte sich eine ausgezeichnete refraktive Vorhersagbarkeit, da alle Augen innerhalb von ±0,5 dpt des Zielwerts lagen. Allerdings erreichten nur 62 % der Augen eine UDVA ≥ 20/20. Und auch hier verbesserte sich die UDVA nach Korrektur des residualen Refraktionsfehlers nicht durchgängig. Zudem wurden trotz relativ geringer Fallzahlen auch CDVA-Verschlechterungen festgestellt: Bei 4,2 % der Augen betrug der Verlust mindestens zwei Stufen, bei 25 % eine Stufe.

Um diese Befunde in einen Zusammenhang zu stellen, wurden sie mit den Ergebnissen drei Monate nach der Operation bei einer vergleichbaren, kürzlich untersuchten Gruppe aus 28 PreLEX-Augen verglichen, die AT LISA tri erhalten hatten. Dort gab es keine Patienten mit einer Verschlechterung der CDVA. Und im Vergleich zu Galaxy IOL wies AT LISA tri sowohl bei monokularen als auch bei binokularen Tests eine signifikant bessere unkorrigierte und korrigierte Sehschärfe im Nahbereich (40 cm) und im Fernbereich auf (P < 0,03 bei allen Vergleichen) (Abbildung 2). Die unkorrigierte monokulare Sehschärfe im Zwischenbereich (70 cm) war in der Galaxy Gruppe jedoch durchweg besser als bei AT LISA tri (logMAR 0,20 ±0,09 gegenüber 0,14 ±0,05; P < 0,01). Dies passt zu der hohen Zufriedenheit der Galaxy Patienten mit ihrem Sehvermögen im Zwischenbereich.

Diagramm zum Vergleich der Sehschärfe (logMAR) mit AT LISA tri und Galaxy bei verschiedenen Defokuswerten (dpt).
Diagramm zum Vergleich der Sehschärfe (logMAR) mit AT LISA tri und Galaxy bei verschiedenen Defokuswerten (dpt).

Abbildung 3: Defokuskurve nach drei Monaten: AT LISA tri und Galaxy

Abbildung 3: Defokuskurve nach drei Monaten: AT LISA tri und Galaxy

Die Defokuskurven der beiden Linsen passen zu den Visusergebnissen. Die Defokuskurve von Galaxy weist einen geringeren Abfall zwischen den Spitzenwerten im Fern- und Nahbereich auf als die von AT LISA tri. Außerdem bietet sie eine bessere Leistung im Zwischenbereich – allerdings auf Kosten einer schlechteren Fernsicht (Abbildung 3).

Erfolgsfaktoren für SV-IOLs

Die sorgfältige Erkennung und Behandlung etwaiger präoperativer Augenkomorbiditäten wie Funktionsstörungen der Augenoberfläche ist vor jeder Linsenoperation selbstverständlich. Eine Hornhauttopographie ist zwingend erforderlich – nicht nur, um das Ausmaß und die Achse des Astigmatismus zu bestimmen, sondern auch, um etwaige Asymmetrien zu beziffern und abzuschätzen, inwieweit nach der Operation mit Restastigmatismus zu rechnen ist. Da viele SV-IOLs zudem auf der Modulation von Aberrationen höherer Ordnung basieren, ist die Hornhauttopographie unverzichtbar, um diese zu erkennen und auf dieser Grundlage dann die Linsenauswahl zu treffen.

Fazit

So sehr man es sich auch wünschen mag: Es gibt nicht die eine perfekte Linse, die sich für alle refraktiven Operationen eignet. Auch Patienten, die sich vollständige Brillenunabhängigkeit wünschen, müssen immer mit einer Kehrseite rechnen. Deshalb sollte man gemeinsam mit jedem einzelnen Patienten entscheiden, welche optischen Kompromisse für eine möglichst weitgehende Brillenunabhängigkeit eingegangen werden sollen. Um mit EDoF-IOLs vollständige Brillenunabhängigkeit zu erreichen, ist eine gewisse Anisometropie unumgänglich, was aber nicht für jeden die beste Lösung darstellt. Eine zuverlässige Nahsicht ohne Anisometropie erfordert oft eine gewisse Multifokalität.

In der klinischen Praxis sollte man die Datenlage berücksichtigen und den Patienten klar darlegen, welche Kompromisse die einzelnen Intraokularlinsen mit sich bringen. Die PreLEX-Daten sollten mithilfe der standardisierten Diagramme zu refraktiven Ergebnissen erläutert werden, um aussagekräftige Vergleiche zwischen den verschiedenen Linsen zu ermöglichen. Anhand dieser (zugegebenermaßen begrenzten) Patientenstichprobe kann man dann im präoperativen Patientengespräch klären, ob Dysphotopsie wichtiger oder weniger wichtig als eine zuverlässige Fernsicht ist. Ich halte trifokale IOLs nach wie vor für die vorhersagbarste und beliebteste Refraktionslösung für viele Patienten, die sich größtmögliche Brillenunabhängigkeit wünschen. Da jedoch immer neue Optikkonzepte aufkommen, bleibt die fortlaufende Erfassung und transparente Dokumentation der praktischen Ergebnisse auch weiterhin wichtig, um die Rolle der einzelnen Verfahren zu bestimmen und die Patienten zu finden, die am ehesten von ihnen profitieren.

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  • Real-World Outcomes of a Spiral Optic IOL

    Compared with a diffractive trifocal

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