Fall

Wie der digitale Workflow mein Vertrauen gestärkt und die Zahl der Premium-Patienten in der Kataraktchirurgie erhöht hat

1. Dezember 2025 · 6 Min. Lesedauer
Dr. med. Tanit Wongwibulsin steht in weißem Hemd und dunkelblauer Anzugsjacke mit verschränkten Armen vor einem einfarbig hellblauen Hintergrund.
Autor Dr. med. Tanit Wongwibulsin Facharzt für Katarakt- und Vitreoretinalchirurgie und stellvertretender Direktor für Informationstechnologie am Panyananthaphikkhu Chonpratan Medical Center der Srinakharinwirot University, Pak Kret (Thailand)

In den letzten Jahren wurden erhebliche Fortschritte beim optischen Design von Premium-Intraokularlinsen (IOLs) erzielt, und es gibt eine immer größere Auswahl an Optionen, die es dem Kataraktchirurgen ermöglichen, die funktionellen Bedürfnisse der einzelnen Patienten zu erfüllen und eine gute Sehqualität zu erzielen. Während diese Entwicklungen ein signifikantes Wachstum des Premium-IOL-Kanals begünstigen sollten, zeigen die jüngsten Ergebnisse der ESCRS-Umfrage zu klinischen Trends, dass der Prozentsatz der Verfahren, bei denen torische oder presbyopiekorrigierende Linsen zum Einsatz kommen, relativ niedrig bleibt: nur 18 % der Patienten mit klinisch signifikantem Astigmatismus erhalten eine torische IOL und nur 13 % der Kataraktverfahren eine presbyopiekorrigierende IOL.1

Aus Sicht des Chirurgen erhöht die Tatsache, dass Patienten für Premium-IOLs selbst zahlen, den Druck, ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Damit ein Chirurg Premium-IOLs anbieten kann, muss er darauf vertrauen können, dass er die Zielrefraktion erreichen kann. Das Erreichen der Zielrefraktion hängt grundsätzlich von der Wahl der IOL mit der korrekten Stärke und der genauen intraoperativen Ausrichtung ab. Jedoch erkannte ich, dass diese Aufgaben von mehreren manuellen Schritten abhängen, was bei mir Bedenken hinsichtlich möglicher Transkriptionsfehler weckte. Um dieses Risiko zu minimieren, habe ich mehrere Maßnahmen ergriffen. Der gesamte Prozess war zeitaufwändig und erforderte einen hohen manuellen Aufwand.

Im Januar 2023 stellte ich auf einen vollständig digitalen Katarakt-Workflow um, um den OP an die Bereiche für die präoperativen Untersuchungen und die postoperative Patientenversorgung (Abbildung 1) anzubinden. Nachdem er in Betrieb war, merkte ich bald, dass sich meine neue digitale Workflow-Plattform positiv auf meine Praxis auswirkte. Erstens verbesserte die Implementierung die Workflow-Effizienz für mich und mein Team während des gesamten Ablaufs für die Kataraktoperation. Das war ein erwarteter Vorteil, der auch zu einer höheren Produktivität für mich und mein Team sowohl in der Klinik als auch im OP geführt hat.

Bemerkenswert ist auch, dass ich seit der Umstellung auf den digitalen Workflow einen signifikanten Anstieg der Zahl meiner Premium-IOL-Fälle verzeichnen konnte. Aus Gründen, die ich weiter unten erläutere, wurde ich mir immer sicherer, dass ich konsistent hervorragende refraktive Ergebnisse erzielen kann. Daher fiel es mir auch leichter, mehr Patienten Premium-IOLs anzubieten. Ich glaube auch, dass meine Patienten mein größeres Selbstvertrauen gespürt haben und auf dieser Grundlage motivierter und vertrauensvoller waren, sich für ein Premium-Verfahren zu entscheiden.

  • Abbildung 1: Durchführung von Kataraktoperationen in einer vollständig digitalen Umgebung mit EQ Workplace, um den OP nahtlos mit der präoperativen und der postoperativen Patientenbeurteilung und -betreuung zu verbinden.

Was bedeutet die Umstellung auf einen digitalen Katarakt-Workflow?

Mein Workflow sah folgendermaßen aus: Ich benutzte IOLMaster® 700 für die Biometrie und CALLISTO® eye mit dem LUMERA® 700 Mikroskop (alle Produkte Carl Zeiss Meditec AG, Jena (Deutschland)), um die Ausrichtung zu steuern. Diese Technologie habe ich verwendet, da sie das Erreichen der refraktiven Genauigkeit unterstützt. Ich erkannte jedoch, dass die Verbindung dieser Instrumente durch eine digitale Workflow-Lösung den gesamten chirurgischen Ablauf effizienter gestalten könnte.

Mit der Umstellung auf einen vollständig digitalen Katarakt-Workflow habe ich nun meine bestehenden Technologien durch die Implementierung von EQ Workplace® – einer Lösung zur Planung von Kataraktoperationen, die auf FORUM® läuft – miteinander verbunden, um meine Prozesse zur Planung und Durchführung von Kataraktoperationen zu optimieren und die sichere Datenverwaltung sowie einen präzisen Datenfluss von der Biometrie bis zur Operation zu gewährleisten.

Vor der Installation des digitalen Workflows musste ich den IOLMaster Ausdruck in die Line-App kopieren, ihn an die IOL-Hersteller schicken und dann die Daten manuell in die Online-Kalkulatoren eingeben. Sobald die Ergebnisse vorlagen, überprüfte ich sorgfältig alle transkribierten Daten, um Fehler auszuschließen. Zur weiteren Bestätigung der IOL-Stärke, insbesondere bei Patienten mit einer Vorgeschichte von refraktiver Hornhautchirurgie oder anderen komplexen Fällen, berechnete ich die IOL-Stärke mit dem Barrett-Kalkulator unabhängig neu. Diese Sorgfalt und der Aufwand waren wichtig und effektiv, um die Genauigkeit zu gewährleisten, aber der gesamte Prozess war sehr zeitintensiv.

Wenn ich die IOL aus irgendeinem Grund wechseln wollte, musste ich von neuem beginnen und den gesamten Prozess wiederholen. An Tagen mit Operationen sah ich mich gezwungen, früh in den OP zu kommen, um die Papierausdrucke, die Richtigkeit der Planungsdaten und den Erhalt der richtigen IOL zu überprüfen.

Mit dem digitalen Workflow-System kann ich jetzt während der präoperativen Untersuchung sofort online IOL-Berechnungen durchführen. Dadurch verringert sich der Zeitaufwand für die doppelte Überprüfung der Abschriften der IOL-Hersteller erheblich und ich habe die Möglichkeit, in einer Session mehrere Formeln miteinander zu vergleichen, so dass ich die beste IOL auswählen kann. Die Gewissheit, dass am Tag der Operation alle Daten korrekt in den OP übertragen werden, gibt mir die Freiheit, Aufgaben außerhalb des OPs zu erledigen, was auch meinem OP-Personal Zeit spart.

Auswirkungen auf die Effizienz

Mehrere veröffentlichte Studien dokumentieren den Nutzen von EQ Workplace® zur Steigerung der Effizienz im Vergleich zu einem konventionellen Workflow-Ansatz, indem sie zeigen, dass die Verwendung des digitalen Workflows den Zeitaufwand für präoperative Beurteilungen, die Berechnung der IOL-Stärke, die Markierung/Ausrichtung der IOL-Achse und im OP allgemein deutlich reduziert.2-5 Ich habe nicht formell analysiert, wie sich die Umstellung auf einen digitalen Workflow auf die Effizienz meiner Praxis ausgewirkt hat, aber ich schätze, dass sich der Zeitaufwand für die präoperative Planung pro Fall um mehr als die Hälfte verringert hat, von etwa 5 bis 10 Minuten auf nur 2 bis 3 Minuten. Auch der intraoperative Zeitaufwand pro Fall hat sich von 5 bis 10 Minuten für den Datentransfer per USB-Laufwerk auf nur 30 bis 60 Sekunden für die Freigabe der Daten aus EQ Workplace® und den Import in CALLISTO eye® verringert.

Aufgrund der Zeitersparnis pro Eingriff konnte ich meine Fallzahl an jedem Operationstag erhöhen. Mein jährliches Fallvolumen bei Kataraktoperationen hat sich von 251 im Jahr 2021 fast verdoppelt auf 470 im Jahr 2024. Auf der Grundlage der bis Juni verfügbaren Daten gehe ich davon aus, dass das Volumen im Jahr 2025 520 Fälle erreichen wird.

Auswirkungen auf die Konversion von Premium-IOLs

Eine Analyse der in den letzten Jahren implantierten IOL-Typen bestätigt meinen Eindruck, dass der Anteil der Fälle mit Premium-IOLs deutlich gestiegen ist, nachdem wir im Januar 2023 den digitalen Workflow mit EQ Workplace® eingeführt haben. Diese positive Veränderung zeigte sich sowohl bei der Gruppe der Selbstzahler, die für jede Standard- oder Premium-IOL vollständig selbst zahlen, als auch bei der Gruppe der gesetzlich Versicherten, für die der Staat die Kosten für eine Standard-IOL, nicht aber für eine Premium-Option übernimmt (Abbildung 2).

Aufgeschlüsselt nach Patientensegmenten stieg die Quote in der Gruppe der Selbstzahler von durchschnittlich 13 % in den Jahren 2021–2022 auf 39 % in den Jahren 2023–2024 und in der Gruppe der gesetzlich Versicherten von 5 % auf 24 % in den entsprechenden Zeiträumen. Bemerkenswert ist, dass sich in der ersten Hälfte des Jahres 2025 32 % der gesetzlich Versicherten und 58 % der Selbstzahler für Premium-IOLs entscheiden.

  • Balkendiagramm der steigenden IOL-Patientenraten (2021-2025) mit digitalem Katarakt-Workflow, für Selbstzahler und gesetzlich Versicherte

    Abbildung 2: Premium-IOL-Konversionsraten nach Jahr für gesetzlich Versicherte und Selbstzahler.

Fazit

Ich habe mich entschieden, den ZEISS Cataract Workflow in meine Praxis zu integrieren, weil ich mir von der nahtlosen Verbindung aller Workflowschritte vom Untersuchungsraum bis zum OP eine höhere Effizienz und Datengenauigkeit versprach. Als ich anfing, ihn zu verwenden, stellte ich jedoch fest, dass ich mit diesen Vorteilen auch sicherer im Umgang mit Premium-IOLs wurde und mich wohler fühlte, wenn ich mit meinen Patienten über das Erreichen präziser Ergebnisse sprach. Unabhängig davon, ob sie ihre Premium-IOL-Praxis erweitern wollen oder nur daran interessiert sind, die Effizienz des gesamten Ablaufs in der Kataraktchirurgie zu steigern, möchte ich alle Kataraktchirurgen ermutigen, die Vorteile in Betracht zu ziehen, die ich bei der Verwendung eines vollständig integrierten und digital vernetzten Workflows festgestellt habe.


  • 1

    European Society of Cataract and Refractive Surgeons. ESCRS Clinical Trends Survey 2023 Results. https://www.escrs.org/media/jg0hzpys/escrs_clinicaltrendssurvey2023_sept24.pdf. September 2024. Accessed August 21, 2025.

  • 2

    Rombold F, Niederdellmann C, Pariti R, Khayat B. Time savings using a digital workflow versus a conventional for intraocular lens implantation in a corporate chain hospital setting. Clin Ophthalmol . 2024;18:113-119. Erratum in: Clin Ophthalmol . 2024;18:915-916.

  • 3

    Shetty N, Saxena A, Singh VM, et al. Effect of digital cataract workflow on time and resource efficiencies in cataract surgery: time and motion study. J Cataract Refract Surg. 2024;50(12):1208-1214.

  • 4

    Brunner BS, Luft N, Priglinger SG, et al. Saving of time using a software-based versus a manual workflow for toric intraocular lens calculation and implantation. J Clin Med. 2022;11(10):2907.

  • 5

    Russell MK, Hsing YI. Evaluation of the Efficiency of a Digital Workflow for Cataract Planning in Patients with Astigmatism. Clin Ophthalmol. 2024;18:1441-1446

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  • Case of the Month - How Digital Workflow Boosted my Confidence and Elevated Premium Patient Rates in Cataract Surgery

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