Abbildung einer Wurzelkanalbehandlung
HERAUSFORDERUNGEN BEI DER ENDODONTISCHEN ZAHNHEILKUNDE

Wurzelkanalbehandlung

Behandlung bei kalzifizierten Kammern

Kalzifizierte Kammern: Störfaktoren und zentrale Herausforderungen
Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

Demonstration des Zugangs ohne Vergrößerung; es ist deutlich zu sehen, dass die Pulpahöhle und der Pulpastein nur schwer zu erkennen sind.

Kalzifizierte Kammern: Störfaktoren und zentrale Herausforderungen

In der Endodontie können kalzifizierte Kammern eine Herausforderung für die Behandlung darstellen.1,2
Kalzifizierte Kammern sind oft eng und verwinkelt, weshalb sie teils nur schwer visualisierbar sind. Durch die eingeschränkte Sicht ist es nur schwer möglich, die Kanäle innerhalb der Kammer präzise zu lokalisieren und darin zu navigieren. Damit steigt das Risiko, dass Kanäle nur unvollständig oder gar nicht behandelt werden.2
Die Kanäle in solchen Kammern sind oft beengt oder gewunden, was den Zugang und die Navigation im Wurzelkanalsystem erschwert. Der enge Raum und die kalzifizierten Blockierungen machen es schwer, die Kanäle effektiv zu reinigen, zu formen und zu desinfizieren.1,3
Kalzifizierte Kammern können die Behandlungszeit verlängern und Eingriffe verkomplizieren. Zahnärzte sind unter Umständen auf unterschiedliche Techniken und Geräte angewiesen, um die Herausforderungen durch diese Kalzifizierungen zu überwinden. Hierfür kommt es auf zusätzliche Fachkenntnisse und Fähigkeiten an.2
Für solche Fälle stehen Zahnärzten modernste Werkzeuge und Techniken zur Verfügung, z. B. Mikroskope, Ultraschallgeräte, Rotationsfeilen und Vergrößerungshilfen, die die Visualisierung und den Zugang verbessern und die Präzision erhöhen. Auch fortlaufende Weiterbildung und der ständige Blick auf Fortschritte in der Endodontie können Zahnärzten wertvolle Hinweise für die effektive Behandlung kalzifizierter Kammern geben und dazu beitragen, günstige Behandlungsergebnisse zu erzielen.1,2,4

Portrait von Cynthia Mercado Velazquez

Das Mikroskop hat mir in meinem Berufsleben schon oft sehr geholfen. Ich konnte komplexe Fälle behandeln, für die ich ohne Mikroskop durchaus mehr als drei Termine benötigt hätte. Durch das Mikroskop kann ich außerdem in meiner Endodontiepraxis arbeiten, ohne mich dem Risiko von Muskel-Skelett-Erkrankungen auszusetzen. Ich habe mich 2009 dafür entschieden, eine Vergrößerungshilfe in meiner Endodontiepraxis einzuführen, und seitdem hat sie mich im beruflichen Alltag erheblich unterstützt.

Cynthia Mercado Velazquez

DDS, Mexiko-Stadt

Mikroskope eröffnen mehrere klinische Lösungen für die endodontische Behandlung bei kalzifizierten Kammern

Verbesserte Kammerlokalisierung: Durch starke Vergrößerung und Beleuchtung des Mikroskops lassen sich kalzifizierte Kammern präzise lokalisieren. Die verbesserte Visualisierung trägt dazu bei, auch kleinste anatomische Details zu erkennen. Damit ist es leichter, die genaue Position der Kammer im Zahn zu bestimmen.5,7
Präzise Erkundung von Kanälen: Die Vergrößerung des Mikroskops sorgt für eine bessere Visualisierung enger, gewundener Kanäle in der kalzifizierten Kammer. Der Endodontologe kann die Kanälen somit präziser erkunden und das Risiko von Verfahrensfehlern oder nicht behandelten Kanälen sinkt.6,7
Verbesserte Bearbeitung: Der präzise Fokus und die Feineinstellungen des Mikroskops geben Endodontologen die Möglichkeit, auch komplexe Bearbeitungsschritte in der kalzifizierten Kammer auszuführen. Dazu gehören beispielsweise die Eröffnung des Zugang zu den Kanälen, das Formen der Kanäle, die Entfernung der Kalzifizierungen sowie die Präparation des Wurzelkanalsystems für die Desinfektion und Obturation.5,7,8
Gründliche Reinigung und Desinfektion: Die Vergrößerung des Mikroskops eröffnet eine detaillierte Sicht auf die Wurzelkanalwände und auf kleinste, komplexe anatomische Details in der kalzifizierten Kammer. Dies ist die Voraussetzung für eine gründliche Reinigung und Desinfektion, denn so kann der Endodontologe Ablagerungen, infiziertes Gewebe und Bakterien effektiv aus dem gesamten Kanalsystem entfernen.7,8
Geringeres Perforationsrisiko: Durch die starke Vergrößerung des Mikroskops kann der Endodontologe die Dicke der Dentinwände in der kalzifizierten Kammer exakt bestimmen. So sinkt das Risiko einer Perforation während der Bearbeitung, da der Arzt präzise in den Kanälen navigieren kann, ohne die umgebende Zahnstruktur zu beschädigen.6,7,8
Präzise Obturation: Das Mikroskop ermöglicht die präzise Beurteilung und Platzierung des Obturationsmaterial in der kalzifizierten Kammer. Das Kanalsystem kann optimal versiegelt werden; das Risiko von Komplikationen nach der Behandlung sinkt und der langfristige Erfolg wird begünstigt.7,8

  • Ausgehend vom Eingang zu den zuvor identifizierten Kanälen beginnen wir, den Pulpastein mithilfe der Ultraschallaufsätze zu beseitigen. Wir entfernen das anorganische Gewebe mit 12-prozentiger Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA), wobei wir die Farbveränderungen des Pulpasteins und des Dentins in der Pulpakammer hinreichend beobachten können.

    Zugang eröffnen und die kalzifizierte Kammer identifizieren.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    Zugang eröffnen und die kalzifizierte Kammer identifizieren.

    Eingang zu den Kanälen mit Ultraschallaufsätzen identifizieren.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    Eingang zu den Kanälen mit Ultraschallaufsätzen identifizieren.

  • Der Eingang zu den mesiobukkalen (MB) und distobukkalen (DB) Kanälen wird mit unterschiedlicher Vergrößerung (0,4-fach und 1,0-fach) begutachtet.

    Sehfeld mit geringerer Vergrößerung (0,4×).
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    Sehfeld mit geringerer Vergrößerung (0,4×).

    Sehfeld mit stärkerer Vergrößerung (1,0×).
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    Sehfeld mit stärkerer Vergrößerung (1,0×).

  • Die Pulpasteine sind an ihrer im Vergleich zu den gelblichen Wänden der Pulpakammer gräulichen Farbe erkennbar. Wenn wir die Farbveränderungen in der Kammer beachten, können wir lernen, die an der Kammer anhaftenden Pulpasteine sicher zu entfernen. Ohne Vergrößerung wären diese Veränderungen nur sehr schwer erkennbar und wir müssten EDTA einsetzen.

    MB- und DB-Kanäle durch die kalzifizierte Kammer bei 1,6-facher Vergrößerung identifizieren.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    MB- und DB-Kanäle durch die kalzifizierte Kammer bei 1,6-facher Vergrößerung identifizieren.

  • Nachdem wir einen Teil des Pulpasteins am Eingang zum MB-Kanal beseitigt haben, können wir mithilfe des Ultraschallaufsatzes den Boden der Pulpakammer betrachten, an dem sich das Pulpagewebe befindet. Bei 0,4-facher und 1,0-facher Vergrößerung sehen wir, dass die verschiedenen Strukturen in diesem Bereich sich bei 1,0-facher Vergrößerung hinreichend unterscheiden lassen.

    MB- und DB-Kanäle durch die kalzifizierte Kammer bei 0,4-facher Vergrößerung identifizieren.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    MB- und DB-Kanäle durch die kalzifizierte Kammer bei 0,4-facher Vergrößerung identifizieren.

    MB- und DB-Kanäle durch die kalzifizierte Kammer bei 1,0-facher Vergrößerung identifizieren
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    MB- und DB-Kanäle durch die kalzifizierte Kammer bei 1,0-facher Vergrößerung identifizieren.

  • Vergleich der Vergrößerungen (1,6-fach und 1,0-fach), wobei bei 1,6-facher Vergrößerung mehr Details des Bodens erkennbar werden als bei 1,0-facher Vergrößerung.

    MB 1 bei 1,6-facher Vergrößerung identifizieren.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    MB 1 bei 1,6-facher Vergrößerung identifizieren.

    MB 1 bei 1,0-facher Vergrößerung identifizieren.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    MB 1 bei 1,0-facher Vergrößerung identifizieren.

  • Der Pulpastein wird entlang des Pfads, der bereits bis zum Boden der Pulpakammer reicht, weiter Stück für Stück beseitigt, bis alle Molarkanäle lokalisiert wurden.

    Die vier MB-Kanäle vollständig identifizieren, nachdem die Kalzifizierung bei 0,6-facher Vergrößerung entfernt wurde.
    Dr. Cynthia Mercado Velazquez, Mexiko-Stadt

    Die vier MB-Kanäle vollständig identifizieren, nachdem die Kalzifizierung bei 0,6-facher Vergrößerung entfernt wurde.

  • 1

    Goga R et al, Pulp stones: a review, IEJ 41, 457–468, 2008

  • 2

    Chaini Kallirroi and Georgopoulou Maria, General pulp calcification: Literature review and case report ENDO, London, England 2016; 10 (2): 69–75

  • 3

    Nupura, Vibhute, Daule, Bansal, Mahalle, J Pat Care 2016, 2: 1

  • 4

    Moss – Salentijin Letty, Calcified Structures in Human Dental Pulps, JOE Vol. 14, No. 4, April 1988

  • 5

    Wu D et al, The clinical treatment of complicated root canal therapy with the aid of a dental operting microscope, IDJ 2011; 61: 261–266

  • 6

    Iandolo A et al, Calcification detection and management in the obliterated endodontic space, JO, März 2023; 15 (1)  

  • 7

    Carr GB, The use of the operating microscope in endodontics, Dent Clin N Am 54 (2010) 191–214

  • 8

    Del Fabbro M, Endodontic therapy using magnification devices: A systematic review, Journal of dentistry 38 (2010) 269–275